Brüssel – City of minorities?

BRÜSSEL FORTSETZUNG…

Anfang September ging die Reise los. Am Flughafen leuchtete uns ein grosses „Eustory“-Schild entgegen und wir wurden von einem Akademie-Leiter freundlich empfangen. Innert wenigen Minuten lernte ich Teilnehmerinnen aus Norwegen, Spanien und Rumänien kennen. Während im Verlaufe des Tages nach und nach die anderen Finalisten eintrafen, hatten wir die Möglichkeit Brüssel auf eigene Faust zu erkunden und einen ersten Blick in die Innenstadt und auf die herrlich duftenden belgischen Waffeln zu werfen.  Gegen Abend quartierten wir uns im alten Kloster „Notre Dame de Chant d’Oiseau“ nahe dem Zentrum ein.

Am Montag standen zuerst eine kurze Vorstellungsrunde und eine Einführung ins Thema Minderheiten auf dem Programm. Mich erstaunte die Tatsache sehr, dass in Brüssel über 170 verschiedene Nationalitäten zusammen leben. Dies wurde mir jedoch erst richtig bewusst, als wir in der U-Bahn Speed Interviews mit verschiedenen Fahrgästen führten. Wir erfuhren von Personen aus Vietnam, China, verschiedenen afrikanischen Ländern sowie von Menschen aus ganz Europa einiges über ihre Lebenssituationen, Integrationsschwierigkeiten und über die positiven Aspekte des Lebens in Brüssel . Kaum jemand war in Brüssel geboren worden! Da jede Gruppe einen anderen Teil der Stadt erkundete, trafen wir uns einige Zeit später und erzählten im Plenum von unseren ersten Eindrücken.  Am Abend bekamen wir die Möglichkeit, einen exklusiven Ausblick auf Brüssel von oben zu geniessen und  besuchten ein typisches Brüsseler Restaurant. Bei gutem Essen lernten wir uns alle etwas besser kennen. Wahnsinn, wie sich die Lebensumstände und Lebensweisen nur schon in europäischen Ländern unterscheiden – ich war sehr beeindruckt!

Am Dienstag arbeiteten wir in den Arbeitsräumen im BELvue-Museum an den ersten Interviews, die wir am Nachmittag führen sollten. Meine Gruppe befasste sich mit dem aus Ghana stammenden Ladenbesitzer, der sich neben seiner Berufstätigkeit in Brüssel politisch in seinem Land betätigt. Strahlend und sehr herzlich wurden wir von ihm in seinem Laden empfangen. Dabei wurden wir von einem Kamerateam begleitet, das später einige Ausschnitte des Interviews  auf TeleBruxelles ausstrahlte. In einer Mischung aus französisch und englisch erzählte er uns lebhaft von seinem jahrelangen Kampf um die Aufenthaltsbewilligung und den positiven Aspekten einer multikulturellen Gesellschaft. Nach der Rückkehr ins BELvue-Museum schnitten wir unsere eigenen Filmaufnahmen zusammen und machten uns kurz darauf auf den Weg zum Abendessen mit anschliessendem DVD-Abend  in der Unterkunft.

Interview auf TeleBruxelles:  http://www.telebruxelles.net/portail/emissions/les-journaux/le-journal/15642-la-rencontre-des-minorites

Am Mittwoch-Morgen erwartete uns der Car in Richtung des „Canal du Centre“. Wir unternahmen eine Schiffrundfahrt und erhielten Einblicke ins Leben der ehemaligen Minenarbeiter. Gegen Mittag fuhren wir weiter zum „Bois du Cazier“, einer alten Mine, in der bei einem Unglück im Jahre 1956 über 262 vorwiegend italienische Minenarbeiter ums Leben kamen. Der Rundgang in den alten Duschsälen und Wellblech-Hütten liess uns in vergangene Zeiten eintauchen und bei Filmaufnahmen konnten wir das Unglück, das den  Arbeitern und den verzweifelten Verwandten widerfahren war, nachempfinden. Dieser Besuch war für mich eines der eindrücklichsten Erlebnisse der Reise.

Der nächste Tag begann wieder mit vielen „good mornings“ und einem leckeren Frühstück in der Unterkunft. Danach starteten die Vorbereitungen für das nächste Interview. Dieses Mal  besuchten wir eine Rumänin, die ein „Hilfsprojekt“ für Roma auf die Beine gestellt hat. Sie versucht die Roma mehr in die Gesellschaft zu integrieren und deren Kinder zu fördern, damit diese bessere Zukunftsaussichten als ihre Eltern haben. Auf Grund der Roma-Kultur sei dieses Vorhaben nicht immer einfach, erfuhren wir von unserer Interviewpartnerin. In verschiedenen Projekten versucht sie, die Barrieren der Tradition zu durchbrechen und den Roma die Werte unserer Kultur näher zu bringen. Zudem organisiert sie immer wieder Events, in denen sie den Brüsselern  Kunst, Essen und Musik der Roma präsentiert, um mehr Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen! Die Bekanntschaft mit dieser selbstbewussten und zielstrebigen Frau erfüllte mich mit grosser Bewunderung und ist mir sehr gut in Erinnerung geblieben.

Am Freitag, unserem letzten Eustory-Akademietag präsentierten wir uns und zahlreichen Gästen  die Interviewresultate in Form von verfassten Berichten, Filmausschnitten, Comics und vielem mehr. Schade war, dass wir nur erfolgreiche Beispiele von Emigration kennen gelernt haben und kaum etwas über die komplizierten und mühsamen Schritte der Integration erfuhren. Nach einem tollen Abschiedsapéro stand uns der Abend zur freien Verfügung. Ideal um das nationale Bierfestival zu besuchen und die weltbekannten Pommes zu probieren!

Samstags war Abreisetag. Die ersten verliessen Brüssel noch im Dunkeln. Ich hatte das Glück, einen Abendflug zu haben und nutzte den Tag, um mit einer belgischen Teilnehmerin die Stadt zu erkunden. Wir machten uns auf eine Entdeckungsreise durch den afrikanischen Teil der Stadt. Nachdem wir afrikanische Lebensmittel (inklusive Würmer) in typischen kleinen Läden gesehen und in einem Restaurant exotisch klingende Gerichtet getestet hatten, (wir waren uns zwar nicht sicher, ob das eine gute Idee gewesen ist) schauten wir beim europäischen Parlament vorbei. Dann war es Zeit, den Zug in Richtung Flughafen zu nehmen, mit zahlreiche Reisetipps und Wiedersehensplänen im Gepäck.

Nach dieser Woche schaue ich auf viele tolle Erlebnisse, interessante Bekanntschaften und vielfältige Eindrücke zurück. Es war eine tolle Erfahrung so viele neue Leute kennen zu lernen und Neues über die Herkunftsländer der Teilnehmer der Akademie zu erfahren. Auch die vielen gelungenen Beispiele guter Integration lassen mich mit positivem Gefühl zurückblicken. Wenn möglich, möchte ich mich auch hier für mehr Toleranz und Verständnis gegenüber anderen Kulturen engagieren. Es ist nicht einfach, aber wenn man andere Kulturen besser kennenlernt, verschwindet die Angst vor dem Fremden, und man erkennt, dass Vielfalt bereichernd sein kann.